Erektionsstörungen

Geschrieben von Dr. Laura Wiemer,
Fachärztin für Urologie und Medical Director bei Kranus Health

Was ist eine Erektionsstörung bzw. erektile Dysfunktion (ED)?

Unter einer erektilen Dysfunktion, kurz ED, versteht man eine gestörte oder fehlende Erektion des Penis bei sexueller Erregung. Laut medizinischer Definition besteht eine Erektionsstörung, wenn die Symptome mindestens 6 Monate andauern und einen befriedigenden Geschlechtsverkehr in über 70% der Fälle verhindern.

Erektionsstörungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Der Schweregrad der erektilen Dysfunktion reicht dabei von mild bis vollständig. Wie stark die Erektionsprobleme sind, wird durch einen einfachen Fragebogen ermittelt. Dieser Wert dient unter anderem auch als Vergleichswert, um die Verbesserung der Erektion nach einer erfolgreichen Behandlung zu messen. Dieser Wert nennt sich IIEF-Score.

Wie äußert sich eine Erektionsstörung?

Bei manchen Männern kommt es nur in der Situation des partnerschaftlichen Geschlechtsverkehrs zu Erektionsproblemen, andere können auch keine morgendliche spontane Erektion mehr bekommen. Bei manchen klappt es eine Erektion zu bekommen, aber sie hält nicht lange an. Mit anderen Worten, die Ausprägung von Erektionsproblemen ist vielseitig. Begründen lässt sich diese Vielseitigkeit der Erektionsprobleme mit den ebenso vielseitigen zugrundeliegenden Ursachen einer erektilen Dysfunktion.

Wie viele Männer sind von Erektionsstörungen betroffen?

In Deutschland alleine sind wahrscheinlich 6-8 Millionen Männer von Erektionsstörungen betroffen (1), die wirkliche Anzahl ist dabei unklar, da Erektionsstörungen nach wie vor ein Tabuthema sind und viele Männer nicht über ihre Probleme sprechen. So konsultieren nur etwas mehr als die Hälfte der betroffenen Männer einen Arzt oder eine Ärztin (2). Was wir wissen: Die Häufigkeit (Prävalenz) von Männern, die an Erektionsstörungen leiden, nimmt mit dem Alter zu. Fast jeder zweite Mann über 50 Jahre ist betroffen (3), aber auch schon 8% der 20-29-jährigen Männer (2) haben mit Erektionsproblemen zu tun.

Warum kommt es zu einer Erektionsstörung?

Bei sexueller Stimulation sendet das Gehirn über das Rückenmark und die Nerven Signale an den Penis. Dadurch kommt es zum Erweitern von Arterien und zum Blutfluss in die Schwellkörper des Penis. Durch den erhöhten Druck wird der Penis hart. Der Blutabfluss wird gleichzeitig verlangsamt, indem die Venen im Penis komprimiert, also zusammen gedrückt, werden. So lange der Zufluss an Blut größer ist als der Abfluss bleibt die Erektion erhalten. Jeder Part dieses Systems, also Gedanken, Nerven und Blutgefäße, muss funktionieren, um eine gute Erektionen zu ermöglichen. Es gibt unterschiedliche Gründe dafür, dass dieses System gestört ist und es zu Erektionsproblemen kommt. Oft ist es nicht ein Grund allein der zu einer erektilen Dysfunktion führt, sondern viele, die zusammen kommen.

Mögliche Ursachen einer Erektionsstörung sind (4) :

  1. psychische Ursachen, wie Stress,Unsicherheit und Versagensängste
  2. arterielle oder venöse Probleme, die dazu führen, dass der Blutfluss zum und vom Penis nicht ideal funktioniert
  3. hormonelle Störungen, wie beispielsweise ein Mangel an Testosteron- anatomische Ursachen, die durch eine Vorerkrankung ausgelöst werden können
  4. Nebenwirkungen, die durch die Einnahme von Medikamenten und anderen Substanzen entstehen können
  5. Nebenwirkungen, die durch die Einnahme von Medikamenten und anderen Substanzen entstehen können
  6. Nervenschäden, die durch chirurgische Eingriffe, Unfälle oder andere Erkrankungen verursacht werden

Wo ist der Unterschied zur Impotenz oder Sterilität?

Impotenz ist ein unscharf definierter Oberbegriff, der u.a. auch das Unvermögen der Fortpflanzung (Sterilität) mit einbezieht und deswegen aus medizinischer Sicht nicht mit einer erektilen Dysfunktion gleichgesetzt werden kann.

Sind Erektionsstörungen gefährlich?

Erektionsstörungen sind an sich nicht gefährlich. Allerdings können Sie ein frühes Warnsignal für spätere Herzinfarkte oder Schlaganfälle sein. Man sagt, der Penis ist die Antenne des Herzens. Das liegt daran, dass sich eine Arteriosklerose, also eine Verkalkung der Gefäße, bei den kleinen Blutgefäßen am Penis viel früher zeigt, als bei den größeren Herzkranzgefäßen (5). Um einer Arteriosklerose entgegen zu wirken hilft regelmäßige körperliche Aktivität und ein gesunder Lebensstil mit einer gesunden Ernährung.

Wie kann der Urologe / die Urologin helfen?

Nicht nur aus medizinischer Sicht ist der Facharzt oder die Fachärztin eine gute Anlaufstelle, um Erektionsprobleme zu lösen. Urologen und Urologinnen beraten wöchentlich oft mehrere Patienten, die an erektiler Dysfunktion leiden. Sie bieten einen fachkundigen Gesprächspartner für ein Thema, dass in anderen Situationen tabuisiert wird. Die Urologin oder der Urologe wissen, ob man weitere Diagnostik machen muss, wie z.B. eine Blutentnahme oder einen Ultraschall oder ob andere Krankheiten abgeklärt werden sollten.

Ab sofort können Urologen und Urologinnen ihren Patienten die Kranus Edera App kostenlos verschreiben, um nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen von Erektionsstörungen zu adressieren. Sie entscheiden außerdem zusammen mit dem Patienten, ob eine weitere oder ergänzende z.B. medikamentöse Therapie sinnvoll und notwendig ist.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Erektionsprobleme?

Die Behandlung der Ursachen der erektilen Dysfunktion ist die wichtigste Therapie. Studien zeigen eine gute Wirksamkeit von körperlicher Aktivität und Beckenbodentraining (6,7). Die Umstellung der Lebensgewohnheiten ist dabei ein essentieller Baustein. Auch die Psyche spielt bei Erektionsproblemen oft eine große Rolle (8,9). Hier können psycho- oder sexualtherapeutische Behandlungsstrategien helfen. Auch eine Paartherapie kann hilfreich sein.

Eine medikamentöse Therapie kann die Behandlung der Ursachen unterstützen. Das bekannteste Mittel gegen Erektionsprobleme sind die sogenannten Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer). Landläufig besser als “blaue Pille” bekannt. Manchen Patienten hilft ein Penisring oder eine Vakuumpumpe. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Gabe eines Medikamentes in den Penis per Injektion oder in die Harnröhre. Sollte das nicht helfen gibt es noch weitere physikalische Methoden wie z.B. eine Stoßwellentherapie oder als letzte Option den Einbau einer Penisprothese.

Was sind PDE-5-Hemmer, auch bekannt als “kleine blaue Pillen”?

Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) sind die am meisten gegen Erektionsstörungen eingesetzten Medikamente. Je nach Marke des Herstellers kommen folgende Wirkstoffe darin zum Einsatz: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil, Avanafil. Sie wirken alle, indem sie das Enzym Phosphodiesterase-5 hemmen und es so zu einer vermehrten Durchblutung des Penis kommt. Die verschiedenen Substanzen unterscheiden sich in der Zeit bis zu ihrer Wirkung, der Wirkungsdauer und ihren zum Teil unangenehmen Nebenwirkungen (10).

Bei 60–80% der Patienten kommt es durch die Einnahme zu einer Verbesserung der Erektion (12). Eine andauernde Wirkung gibt es leider nicht und nur 16% der Patienten nehmen die Tabletten langfristig ein (2). PDE-5-Hemmer sind verschreibungspflichtig, da sie bei manchen Erkrankungen oder zusammen mit anderen Medikamenten der Gesundheit schaden können. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Der Einsatz von PDE-5-Hemmern zusätzlich zu einer ursächlichen Therapie kann sinnvoll sein.

Wie hilft das digitale Programm, Kranus Edera, bei Erektionsproblemen?

Die CE-zertifizierte digitale Gesundheits-App Kranus Edera schließt eine Versorgungslücke: Betroffene Männer haben mit dem digital Programm erstmals die Möglichkeit, nicht nur die Symptome, sondern die Ursachen ihrer Erektionsprobleme ganzheitlich anzugehen und so ihre Erektion und Lebensqualität langfristig zu verbessern.

Die Inhalte der App sind wissenschaftlich fundiert und setzen die Empfehlungen der deutschen und EAU Leitlinien um, die empfehlen die behandelbaren Ursachen von Erektionsstörungen zu beheben und positive Lebensstilveränderungen herbeizuführen.

Eine erfolgreiche Verbesserung der Erektionsprobleme mit der Kranus Edera-App gelingt durch digitales Coaching und dem multimodalen Therapieansatz aus: Beckenbodentrainer, kardiovaskulärem Training, physiotherapeutischen Übungen, mentalen und sexualtherapeutischen Übungen sowie der Vermittlung von relevantem Wissen für Betroffene.

Was ist der IIEF-Score?

Der International Index of Erectile Function (IIEF) ist ein international validierter Fragebogen, welcher bei der Einschätzung der Schwere der erektilen Dysfunktion und bei der Evaluation des Therapieerfolges eingesetzt wird. Ursprünglich besteht der Fragebogen aus 15 Fragen. Der IIEF-5-Fragebogen beschränkt sich auf die Fragen, die direkt mit der Erektion zusammenhängen.

Auf Basis des Ergebnisses des Fragebogens erfolgt eine Einteilung in eine der nachfolgenden Kategorien. Das Ergebnis ergibt sich aus der Summe der einzelnen Fragenscores:

22–25 Punkte keine erektile Dysfunktion
17–21 Punkte milde erektile Dysfunktion
12–16 Punkte milde bis moderate erektile Dysfunktion
8–11 Punkte moderate bis schwere erektile Dysfunktion
unter 8 Punkte schwere erektile Dysfunktion (11)

Weiterführende Informationen

Die Leitlinien zu erektiler Dysfunktion wenden sich an ärztliches Personal, können aber offen eingesehen werden:

Kranus Health
Dr. med. Laura Wiemer ist Urologin und Teil des erfahrenen Medizinischen Teams bei Kranus Health. Lernen Sie uns kennen.

Quellen

  1. Braun, M., et al. (2000). "Epidemiology of erectile dysfunction: results of the 'Cologne Male Survey'." Int J Impot Res 12(6): 305-311.
  2. Rosen, R. C., et al. (2004). "The multinational Men's Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study: I. Prevalence of erectile dysfunction and related health concerns in the general population." Curr Med Res Opin 20(5): 607-617.
  3. Feldman, H. A., et al. (1994). " Impotence and its medical and psychosocial correlates: results of the Massachusetts Male Aging Study." J Urol 151(1): 54-61.
  4. EAU Guidelines. Edn. presented at the EAU Annual Congress Amsterdam 2020. ISBN 978-94-92671-07-3.
  5. Baumhakel, M. and M. Bohm (2007). "Erectile dysfunction correlates with left ventricular function and precedes cardiovascular events in cardiovascular high-risk patients." Int J Clin Pract 61(3): 361-366.
  6. Silva, A. B., et al. (2017). "Physical activity and exercise for erectile dysfunction: systematic review and meta-analysis." Br J Sports Med 51(19): 1419-1424.
  7. Myers, C. and M. Smith (2019). "Pelvic floor muscle training improves erectile dysfunction and premature ejaculation: a systematic review." Physiotherapy 105(2): 235-243.
  8. Bossio, J. A., et al. (2018). "Mindfulness-Based Group Therapy for Men With Situational Erectile Dysfunction: A Mixed-Methods Feasibility Analysis and Pilot Study." J Sex Med 15(10): 1478-1490.
  9. Sommers, F. G. (2013). "Mindfulness in love and love making: a way of life." Sexual and Relationship Therapy 28(1-2): 84-91.
  10. Kedia, G. T., et al. (2020). "The Use of Vasoactive Drugs in the Treatment of Male Erectile Dysfunction: Current Concepts." J Clin Med 9(9).
  11. Rhoden, E. L., et al. (2002). "The use of the simplified International Index of Erectile Function (IIEF-5) as a diagnostic tool to study the prevalence of erectile dysfunction." Int J Impot Res 14(4): 245-250.
  12. Kalsi, J.S.; Kell, P.D. Update on the OralTreatments for Male Erectile Dysfunction. Eur. Acad. Dermatol.Venereol. 2004, 18, 267–274.